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06.04.13 / 20:15h
Martin Dahanukar Quartet
Martin Dahanukars faszinierender Indien-Trip mit seiner unkonventionellen working band und dem frühen Miles Davis im Gepäck.
Martin Dahanukar tp
Vinz Vonlanthen git
Sam Joss b
Peter Horisberger dr

Der in der Schweiz lebende indisch-stämmige Trompeter Martin Dahanukar feiert mit seiner exklusiven Mischung aus 60er Jahre orientiertem Jazz und indischer Musik große Erfolge. Er zeigt sich von Miles Davis oder Wayne Shorter gleichermaßen inspiriert wie von Sufi-Musik und indischen Ragas oder von Satie und Debussy. Im traumhaften Zusammenspiel mit seiner langjährigen working band erschafft er durch sein melodiöses und facettenreiches Trompetenspiel geprägte, faszinierende Klangbilder von zeitloser Schönheit, die durch die Eindrücke von seines Reisen durch den vibrierenden indischen Subkontinent beeinflusst wurden. Da steht brodelnde Urbanität neben archaischer Wildheit, Hochdramatisches neben lyrischer Verträumtheit. Die atmosphärischen Sounds des unkonventionellen Gitarristen und Soundtüftlers Vinz Vonlathen, der farbenreiche Bass von Samuel Joss und das luftige Drumming von Peter Horisberger tragen das Ihre zur Vervollkommnung des außergewöhnlichen Gruppenklanges bei. Ein ausgesprochen vielschichtiges und abwechslungsreiches Vergnügen voller musikalischer Kontraste, die einander in ihrer Wirkung potenzieren, die gelungene Mischung aus intelligentem Mainstream und unverkrampftem Experiment.

Auf den acht Klangbildern des nachfolgend eingespielten Albums Scent Of Jungle sind Komposition und Solos eng verflochten. Das Klangbild ist filigran, und abseits auch markanter, rhythmischer Ströme finden sich immer wieder schwebende, zeitlupenhafte Zellen: eine Ästhetik, die vom Kontrast zwischen Agitation und Versunkenheit lebt – dem Unbekannten in der Musik hingewandt ist.

Der indische Subkontinent vibriert und boomt, ist ein Epizentrum. Wie ein schillernder Schatten ragt daneben seit vier Millennien das indische Musiksystem aus dem Strom der Zeit auf. Ein eigener Mikrokosmos, klangliches Stundenbuch und Camera Obscura verborgener Wirklichkeiten. Seit 1999 verflicht Martin Dahanukar mit seinem Quartett Fragmente von indischer Musik beeinflusster Stimmungen mit Modern Jazz. Dieses atmosphärische Gewebe ist einmal verwehter Sirenenklang der Megacities, dann, in verloren treibenden Balladen, Widerhall von Landschaften im Dunkel, fern der urbanen Wucherungen.

Der Dschungel als Grenzbereich zwischen herkömmlich Gefestigtem und bewegt Ungewohntem schimmert in allen neuen Stücken des Albums Scent Of Jungle auf: Dharavi Ballad, Shivaism, Avatara oder Tweets From Varanasi mäandrieren durch offene Stimmungen, in denen auch leise Laute besondere Bedeutung entfalten.

Die Konzerte der vergangenen drei Jahre waren Animation für neue, tagebuchartige Kompositionen, die die Persönlichkeiten aller Ensemblemusiker – insbesondere deren Improvisationsstile – hervorheben sollten.