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13.09.08 / 20:15h
zot-off
Mit zot-off nach Wadi Halfa
Wilfried Marxer git, voc
Karl Marxersax, voc
Beck Felix bass
Roman Banzer drums

Die Literaturband mit ihrem neuen Programm


Ein wenig Blues, ein wenig Jazz, ein wenig Rock und viel Text. Das ist die vielleicht kürzeste Beschreibung von zot-off. Literaturband wäre ein weiteres Label. Am Samstag, den 13. September, spielt die Band ihr neues Programm „Wadi Halfa“ in der Tangente in Eschen.

Aus 17 Liedern und zwei Gedichten besteht das neue Programm „Wadi Halfa“. Sind es Lieder? Oder müsste man besser von Liedgedichten sprechen, von Lyrik und Musik, von Poesie und Rock? Schwer zu sagen. Wichtig ist für die vier Männer der Band, die Musik so mit den Texten zu verbinden, dass beide klar und durchsichtig sind. Dass die Musik groovt, zu Herzen geht, dass die Texte klar und deutlich zu verstehen sind. Als Romantiker wurden sie schon bezeichnet, als Leningrad Cowboys ohne Tolle, als die Dinosaurier der liechtensteinischen Mundartszene. Oder sind es einfach die einzigen, die stolz darauf sein können, dass andere ihre Titel covern?

„und ir Bar / hocken mit Vatr und d Janis Joplin / si trinken metanand än Andrianer / und pfaffen a Parisienne“ heisst der Anfang der Strophe von Happy hour in paradise. Kein Pathos, keine Welterklärungen, kein Weltschmerz. Es sind die einfachen Dinge, die zot-off in den Mittelpunkt stellt, kleine Beobachtungen, kleine Gesten. Es ist ein Versuch der genauen Beobachtung, der exakten Beschreibung. Damit verbunden ist auch eine gewisse Art von Grosszügigkeit. Weder Musik noch Text sollen bis ins letzte Deutungswinkelchen ausgeleuchtet sein. Nein, beide sollen Platz lassen. Die Musik für Improvisationen, der Text für Interpretationen.

„Bruce Chatwin und mini Nana / Säglen ufera Fata Morgana / Wadi Halfa mon amour /
Wadi Halfa tous les jours. » Das ist der Refrain des Liedes Wadi Halfa. Referenz ist die Timbuktu-Reportage von Bruce Chatwin. Diese sagenhafte Stadt in Afrika, die aus Lehm gebaut, abseits der grossen Wirtschaftsströme der Neuzeit langsam verfällt. So wie Wadi Halfa untergegangen ist, genau so gehen unsere Träume der Jugend unter und treten dennoch immer wieder an uns heran und wollen Rechenschaft bekommen. Wo sind die Träume der Jugend geblieben? Was ist aus unseren Wünschen geworden?

Ist es ganz einfach die midlife-crisis, die die Musik von zot-off befallen hat? Wenn nicht, was dann? Was ist die Triebfeder für Wilfried Marxer (Gitarre und Gesang), Karl Marxer (Saxophon und Gesang), Felix Beck (Bass) und Roman Banzer (Schlagzeug und Texte)? Literatur verändert die Welt. Musik auch. Um das zu belegen, sind keine Protestsongs nötig. Wer ein gutes Buch gelesen hat, ist nach der Lektüre nicht mehr der gleiche Mensch wie vorher. Wer einen guten Song gehört hat, ist danach eine andere.

Man kann nie zweimal in den gleichen Fluss steigen, heisst das Sprichwort. Der Liedtext von zot-off heisst: „dr Rii got abwärts, das tuet guet / dr Rii goot abwärts, das macht Muet.“ Es ist der Mut dazu, weiterhin gegen den Strom zu schwimmen, Mut dazu, weiterhin daran zu glauben, dass Ideale mehr Wert sind, als ein Mercedes-Jeep in der Stadt, mehr wert als christmas shopping in New York. So tief kann der Dollar in tausend Jahren nicht fallen, so tief können wir bei wachem Geist nicht sinken, dass es uns in den Sinn käme, den Slip für die Frau in Manhattan zu kaufen. Slip ja, aus Manhattan nein.

So sind es die kleinen Abgründe der menschlichen Seele, die Spannendes provozieren. Oder ist es nicht wunderbar, ironisch Rache zu nehmen am Kleingeist, der sich eine Autonummer für 25'000 Franken kauft? Es ist wunderbar. Genau so wunderbar, wie den armen Emil in ein Lied über Stress und Ruhe zu bannen, wenn einem selbst die Zeit nicht bleibt, zu merken, dass man zu wenig Zeit hat, um zu merken, dass es einem gut geht.